Qualität trifft auf Vielfalt - 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Kendal: VCR-Männerchor und K Shoes Choir begeistern mit Jubil

Friedrich-Wilhelm Hoppe (links), Bürgermeister von Rinteln in beim Partnerschaftsbeginn 1992, dankt für für das offizielle Jubiläumsgeschenk von Kendal, übergeben von John Studholme, stellvertretender Bürgermeister von Kendal in 1992 (rechts). Das Geschenk ist eine Skupltur des Kendaler Künstlers Jo Vincent. Foto: dil

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Kendal/Rinteln. 25 Jahre erfolgreiche Städtepartnerschaft zwischen Rinbteln und Kendal – kann man es besser feiern als mit Musik? Schon im Mai hatten die Ernestinum Bigband aus Rinteln und die Kendal Concert Band im Rathaussaal Kendals mit einem Gemeinschaftskonzert 80 Zuhörer begeistert, nun setzten die Männerchöre VCR aus Rinteln und K Shoes Choir aus Kendal noch eins drauf: Mehr als 100 Zuhörer im Rathaussaal spendeten stehend Beifall, nachdem beide Chöre zusammen ein stimmungsvolles Finale hingelegt hatten. „Ein toller Auftritt“, dankte der englische Chorleiter Ian Allan den 39 stimmkräftigen älteren Herren auf der Bühne.
Am Nachmittag hatte Kendals Bürgermeister Andy Blackman die 34-köpfige Gruppe aus Rinteln und englische Freunde der Partnerschaft zu einem Jubiläumsempfang in den Georgssaal des Rathauses eingeladen. Dabei trafen zwei Männer der ersten Stunde aufeinander: Friedrich-Wilhelm Hoppe war Rintelner Bürgermeister bei der Gründung der Partnerschaft 1992, John Studholme stellvertretendes Stadtoberhaupt von Kendal, als damals der Freundschaftsvertrag unterzeichnet wurde. Studholme übergab Hoppe das offizielle Jubiläumsgeschenk Kendals, eine Skulptur des lokalen Künstlers Jo Vincent. Sie zeigt die hohen Berge des Lake Districts nahe Kendal und die kleineren Exemplare des Weserberglandes, dazwischen ein Fluss, den man sich als Weser oder Kent (fließt durch Kendal) denken kann. Hoppe revanchierte sich mit einem Präsent aus Rinteln.
Beifall spendeten dafür auch die anwesenden ehemaligen Bürgermeister Kendals Sylvia Emmott, Chris Hogg, Stephen Coleman, Philip Ball und John Bateson. Zum Konzert am Abend kam dann noch Colin Reynolds, der mit Hoppe einst den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet hatte. Überhaupt sahen sich viele „Veteranen“ der Städtepartnerschaft wieder, tauschten Erinnerungen aus. Hoppe und Studholme wünschten der Partnerschaft weitere 25 erfolgreiche Jahre, trotz drohendem Brexit. Studholme machte diesbezüglich Mut: „Der Brexit ist zwar beschlossen, aber noch nicht realisiert, und wer weiß, ob er es jemals wird.“
Nicht nur mit der Höhe der Berge übertrumpfte Kendal diesmal Rinteln, der K Shoes Choir stellte den Rintelner Chor in der ersten Konzerthälfte durch mehr Köpfe, Stimmgewalt und Qualität bei weitem in den Schatten. Doch das hatten die wegen Krankheitsfällen und Alter arg dezimierten Rintelner Sänger geahnt und trumpften stattdessen nach der Pause mit mehr Vielfalt auf. Nach ersten Liedern mit Sacco und Krawatte streiften sie Fischerhemden über und zeigten, dass sie auch Seemannslieder drauf haben. Dirigent Hans Hübner am Akkordeon moderiert charmant durch das Programm, so stand es nun gefühlt unentschieden zwischen beiden Ensembles. Vornehme Perfektion auf der einen Seite, folkloristische lockere Unterhaltung auf der anderen, das kam gut an.
Doch die Engländer legten nach, zogen ihre Jacken aus und tanzten plötzlich ohne Dirigent munter auf der singend auf der Bühne. Im Finale war dann alles locker und eindeutig freundschaftlich. Noch mehr sogar beim anschließenden geselligen Sing-along im Gasthaus Globe, mit Melodien aus dem Smartphone, Texten der Beatles und anderer Pop-Stars bis hin zum Gefangenenchor aus der Verdi-Oper „Nabucco“. Die schon lange bestehende Freundschaft beider Chöre wurde so fröhlich vertieft. VCR-Vorsitzender Franz-Josef Stöckl und sein K Shoes-Gegenüber Doug Armitage tauschten noch flüssige Geschenke aus. Stöckl abschließend: „Und wir laden Euch für September 2018 zu unserem 185-jährigen Bestehen als Männerchor nach Rinteln ein.“ Die Kendaler schmieden bereits Reisepläne. „Wir kommen gern“, sagte Dirigent Ian Allen.
Doch der K Shoes Choir hat vorher noch große Pläne: Neue Mitglieder heranziehen mit mehrwöchigen Anfängerkursen unter Leitung Ian Allens charmanter Frau Tracy, zehn Neulinge durften sogar zu einem Kurzauftritt auf die Bühne. Hauptziel ist im Moment aber ein Konzert in Londons legendärer Royal Albert Hall im Oktober 2018. Mehr als 1000 walisische Chorsänger wollen dort walisisch singen. Die Kendaler müssen nun 28 Lieder in der ungeliebten schwierigen Provinzsprache lernen, um sich den Traum des Londoner Auftritts zu erfüllen. Kostproben davon waren ins jetzige Programm integriert.
Qualität trifft auf Abwechslung, so konnte man das Konzert beschreiben, das insgesamt von den Besuchern als Meisterleistung und Gesamtkunstwerk gefeiert wurde. „In jedem Fall war es ein hervorragemder neuer Baustein für die Festigung der Städtepartnerschaft“, erklärte Dietrich Lange, Vorsitzender des Rintelner Vereins für Städtepartnerschaften, der die Gruppe in Kendal zusammen mit Diane Innes und Richard Pealing vom Kendaler Partnerschaftsverein in Vertretung des erkrankten Mitorganisators Mike Middleton betreute.
Der musikalische Gruß der VCR-Sänger in der katholische Kirche von Kendal setzte am Morgen danach noch eins drauf: Mehr als 180 Besucher in dem vollen Gotteshaus dürften eine Bestmarke für Rintelner Auftritte in Kendal gewesen sein, obwohl natürlich viele aus anderen Gründen dorthin gekommen waren. Aber es gab auch hier viel Beifall für die vier geistlichen Lieder mit Akkordeonbegleitung. Pfarrer Hugh Pollock lud die Rintelner danach zu Erfrischungen und Snacks in den Pfarrsaal ein. Stöckl übergab ein Geschenk an Pollock und Ken Jamieson als Dank dafür, dass die Kendaler Katholiken vor zwei Jahren einen Transporter mit Kleiderspenden für Flüchtlinge nach Rinteln gebracht hatten.
„See You next time in Rinteln“, das war anschließend der meistgehörte Satz beim Abschied vor dem Hotel Premier Inn. Und es regnete wie an fast allen Tagen Bindfäden. „Kendal weint schon um Euch“, dankte Dietrich Lange den hervorragenden musikalischen Botschaftern von der Weser noch einmal. Stöckl erwiderte den Dank an Innes, Pealinbg un d Lange für die gute Betreuung.
Lange sah am Sonntagabend dann noch in der Methodisten-Kirche einen tollen Auftritt des in Rinteln unvergessenen Amabile Girls Choir, der gerade von einer erfolgreichen Spanien-Tournee mit zum Teil mehr als 600 Zuhörern zurückgekehrt war. Lange lud diesen Chor (Alter 14 bis 19 Jahre) wieder nach Rinteln ein, aber das wird sicher nichts vor 2019 oder 2020. „Wir gehen nur alle drei Jahre auf Tournee“, sagte Dirigentin Rachel Little, „aber wir kommen gern wieder nach Rinteln.“ Jetzt muss der Mädchenchor erst mal den Verlust von 13 Sängerinnen verkraften, die nach dem Abitur zum Studieren Kendal verlassen. Doch junge Nachwuchskräfte zeigten schon ihr Können bei einigen Songs. Und es wird eine neue CD des Chores geben, ein Konzertmitschnitt aus Spanien. Die letzte CD ist nämlich schon vergriffen. Sie wurde während der Deutschland-Tournee vor drei Jahren aufgenommen, und zwar beim mitreißenden Abschlusskonzert in der Rintelner Jakobi-Kirche.
Die Ausflüge für die Rintelner VCR-Chorgruppe litten diesmal unter dem schlechten Wetter. Aber bei den Spaziergängen in Kendal, Bowness und Grasmere im Lake District war es gerade mal trocken – wie ein Wunder. So waren auch die mitgereisten 17 Gäste am Ende rundum zufrieden. Nur der Wechsel des Busfahrers, der kein Visum für England hatte und durch einen von Düsseldorf nach Manchester geflogenen und per Taxi nach Hull gereisten Fahrer ersetzt werden musste, bleibt in negativer Erinnerung.
Autor: Dietrich Lange