Bei Altenpflege von Rinteln lernen

Hobeln will gelernt sein: Dr. Claudia Beier (v. l.), Sabine Depping, Liz Richardson (Kendal), Ursula Mücke, Sylvia Emmott (Kendal), Stephan Olms, Jörg Schröder und Lawrence Conway (Kendal) in der Tischlerlehrwerkstatt der Berufsbildenden Schulen Rinteln. Dil

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Rinteln. Was für eine gut ausgestattete Schule“, hat nicht nur Kendals Stadtdirektorin Liz Richardson gestern bei einem Rundgang durch die Berufsbildenden Schulen Rinteln an der Burgfeldsweide gestaunt. Auch der Vize-Verwaltungschef des South Lakelands District (der Kendal übergeordnete Landkreis) und Bürgermeisterin Sylvia Emmott bewunderten die Vorzüge des dualen Ausbildungssystems, das sogar ohne finanzielle Beteiligung der Wirtschaft auskommt, aber trotzdem zielgerichtet für den Bedarf der Arbeitgeber ausbildet. In England ist man offenbar noch nicht so weit.

Seit Kurzem besteht eine Partnerschaft zwischen der BBS Rinteln und dem Kendal College, der Berufsschule in der englischen Partnerstadt. Was lag da näher, als jetzt beim Besuch der drei politischen Vertreter Kendals und seines Districts der BBS Rinteln einen Abstecher zu widmen. Stefan Olms vom Schulmanagement sowie die Lehrkräfte Dr. Claudia Beier, Sabine Depping und Ursula Mücke führten die Gäste im Beisein vom Ersten Stadtrat Jörg Schröder durch die Schule mit ihren vielen Dachräumen.

Dass Bildungsfragen Ländersache sind, interessierte ebenso wie die Kooperation mit der Wirtschaft und Details des dualen Systems. Ein Abstecher galt der Tischlerwerkstatt. Tischler und Industriekaufleute werden die ersten sein, die 2014 aus Rinteln für vier Wochen im Schüleraustausch nach Kendal gehen.

Interessiert erkundigten sich die Kendaler nach dem zunehmenden Bedarf an Altenpflegekräften. Dieser besteht auch in Rinteln, die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nimmt zu. In England gibt es eine solche Ausbildung nicht, Erzieherinnen und Krankenschwestern übernehmen diese dort schlecht bezahlte Arbeit. Conway: „Ein Problem, das wir bald lösen müssen.“ Auch dort entwickelt sich zunehmend ein lukrativer Markt in der Altenbetreuung, die für weniger betuchte Schichten von der öffentlichen Hand bezahlt wird, Reichere zahlen selbst oder zumindest zu. Drei Jahre Ausbildung wie in Rinteln, davon kann man in Kendal bisher nur träumen. Aber das Problem mit der Bezahlung besteht aber auch hierzulande.

Interessant fanden die Gäste auch, dass die Berufsschule ein Blockheizkraftwerk hat, das von Bauer Eckel gleich nebenan mit Biogas beliefert wird. Olms erklärte, dass damit übers Jahr 60 Prozent des Wärmeenergiebedarfs gedeckt werden können, im Winter reiche das aber nicht. Der Landwirt würde zwar gern mehr liefern, aber es gibt dafür nicht die ausreichende Leitungskapazität. „Wir würden gern Kendals Rathaus und andere öffentliche Bauten mit Bioenergie versorgen, aber so ein Blockheizkraftwerk könnten wir in unserer eng bebauten Innenstadt kaum irgendwo hinstellen“, sagt Conway. Heute wird mit den Stadtwerken dieses Thema vertieft.